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Ein wissenschaftlicher Überblick für Eileen – November 2026
Wenn der Kopf nicht mehr abschaltet, der Körper ständig unter Spannung steht und echte Entspannung kaum noch möglich ist, kann das auf Dauer sehr belastend sein. Manche Menschen erleben diese Unruhe vor allem gedanklich: Sie grübeln, machen sich Sorgen und kommen nicht zur Ruhe. Andere spüren sie körperlich durch Muskelanspannung, Nervosität, einen erhöhten Puls oder Schlafprobleme.
Für meine Freundin Eileen entstand deshalb die Frage, ob bestimmte Inhaltsstoffe der Cannabispflanze dabei helfen könnten, diese innere Anspannung zu reduzieren.
Besonders interessant sind dabei drei Cannabinoide: CBD (Cannabidiol), CBG (Cannabigerol) und THC (Tetrahydrocannabinol). Sie stammen alle aus der Cannabispflanze, unterscheiden sich aber erheblich in ihrer Wirkung. Während THC einen Rausch auslösen kann, gelten CBD und CBG als nicht berauschend.
Die Forschung zeigt interessante Ergebnisse. Allerdings sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht so eindeutig, wie viele Darstellungen im Internet vermuten lassen.
Die kurze Antwort: Für CBD gibt es positive klinische Hinweise, für CBG erste kleine Humanstudien. THC kann subjektiv entspannen, aber auch Angst und Unruhe verstärken. Keiner dieser Stoffe ist bislang eine verlässlich nachgewiesene Standardbehandlung dauerhafter innerer Anspannung.
1. Warum Cannabis überhaupt etwas mit Stress und Entspannung zu tun hat
Der menschliche Körper besitzt ein eigenes Endocannabinoid-System (ECS). Dieses System besteht unter anderem aus körpereigenen Botenstoffen wie Anandamid und 2-AG, bestimmten Rezeptoren sowie Enzymen, die diese Stoffe auf- und abbauen.
Das Endocannabinoid-System ist an zahlreichen Prozessen beteiligt, darunter:
- Verarbeitung von Stress und Angst
- Schlaf-Wach-Regulation
- Emotionen und Stimmung
- Schmerzwahrnehmung
- Appetit und weitere körperliche Regulationsprozesse
Besonders wichtig ist der CB1-Rezeptor, der unter anderem in Gehirnregionen vorkommt, die an der Verarbeitung von Emotionen und Stress beteiligt sind. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Endocannabinoid-System die Reaktion des Gehirns auf Stress beeinflussen kann. Bei chronischem Stress können Veränderungen dieses Systems auftreten. Daraus entstand die wissenschaftliche Überlegung, ob bestimmte Cannabinoide die Stressverarbeitung beeinflussen könnten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass anhaltende Anspannung automatisch auf einen Cannabinoidmangel zurückzuführen ist. Ein solcher Mangel lässt sich aus gewöhnlichen Stresssymptomen nicht ableiten.
Wissenschaftliche Grundlage: Loomba & Patel: Circuit mechanisms governing endocannabinoid modulation of affective behaviour and stress adaptation (2025). [1]
2. CBD – das bisher am besten untersuchte nicht berauschende Cannabinoid
CBD ist einer der bekanntesten Inhaltsstoffe der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu THC verursacht CBD keinen typischen Cannabisrausch. Es beeinflusst verschiedene biologische Signalwege, die unter anderem mit der Verarbeitung von Stress und Angst zusammenhängen. Die Forschung beschäftigt sich deshalb seit Jahren mit der Frage, ob CBD bei Angstzuständen, innerer Unruhe und Schlafproblemen therapeutisch nützlich sein könnte.
Studie 1: CBD bei sozialen Angstzuständen (2011)
Forscher der Universität São Paulo untersuchten 24 Menschen mit bislang unbehandelter sozialer Angststörung. Die Teilnehmer erhielten in einem randomisierten, doppelblinden Versuchsaufbau einmalig entweder 600 mg CBD oder Placebo, bevor sie eine simulierte öffentliche Rede halten mussten. Zusätzlich gab es zwölf gesunde Vergleichspersonen ohne Studienmedikation.
Die CBD-Gruppe berichtete über eine geringere Angstbelastung und weniger Unbehagen während der Situation. Das Ergebnis war ein früher Hinweis auf mögliche angstlösende Eigenschaften. Allerdings wurden nur 24 Patienten und eine einzelne Belastungssituation untersucht. Eine langfristige Behandlung dauerhafter Anspannung wurde nicht geprüft. Die Studiendosis ist keine Anwendungsempfehlung. [2]
Studie 2: Metaanalyse mit 316 Teilnehmern (2024)
Eine systematische Übersichtsarbeit von Han und Kollegen wertete acht Studien mit insgesamt 316 Teilnehmern aus. Die Wissenschaftler fanden insgesamt einen statistisch signifikanten Rückgang von Angstsymptomen unter CBD. Die Autoren betonten jedoch die begrenzte Stichprobengröße und den Bedarf an weiteren Studien. Ein statistisch positives Gesamtergebnis ist noch kein Nachweis einer zuverlässig wirksamen Behandlung im Alltag. [3]
Studie 3: CBD bei leichten bis mittelschweren Angstbeschwerden (2024)
In einer weiteren randomisierten, doppelblinden Studie wurden 178 Menschen in einem 15-wöchigen Studienablauf untersucht. Die Teilnehmer erhielten entweder eine spezielle nanodisperse CBD-Zubereitung oder Placebo. Die Ergebnisse zeigten Verbesserungen auf standardisierten Angstskalen und bei weiteren untersuchten Beschwerden, darunter die Schlafqualität.
Allerdings wurde eine spezielle Zubereitung untersucht. Die Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf gewöhnliche CBD Öle übertragen. Der zugängliche Abstract nennt die Konzentration der Lösung, aber keine ausreichend nachvollziehbare Tagesdosis; daraus wird hier keine Dosisangabe abgeleitet. Zudem bestehen laut Interessenerklärung mehrere Verbindungen der Autoren zu beteiligten Pharmaunternehmen. Unabhängige Bestätigungen sind deshalb besonders wichtig. [4]
Was bedeutet das für CBD insgesamt?
CBD gehört zu den Cannabinoiden, für die es die meisten klinischen Hinweise auf eine mögliche angstlösende Wirkung gibt. Eine entscheidende Einschränkung betrifft die untersuchten Mengen: In verschiedenen Studien kamen deutlich höhere CBD-Mengen zum Einsatz, als sie üblicherweise in niedrig dosierten Verbraucherprodukten enthalten sind.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 fand für niedrig dosiertes CBD nur wenig überzeugende Evidenz für einen therapeutischen Nutzen. Auch Wechselwirkungen können laut dieser Arbeit bereits bei niedrigeren Mengen auftreten. [5]
Zwischenfazit: CBD ist ein Forschungsansatz bei Angst und Stress. Eine zuverlässig nachgewiesene Behandlung anhaltender innerer Anspannung ist es bislang jedoch nicht.
3. CBG – ein neuer Forschungsansatz
CBG steht für Cannabigerol. Dieser Pflanzenstoff kommt in Cannabis häufig in geringeren Mengen vor als CBD oder THC. Seine Vorstufe CBGA spielt bei der pflanzlichen Biosynthese verschiedener weiterer Cannabinoide eine zentrale Rolle. Ähnlich wie CBD verursacht CBG keinen typischen THC-Rausch.
In Labor- und Tierstudien wurden mögliche Einflüsse auf verschiedene Rezeptoren und Signalwege untersucht, die mit Stress und emotionalem Verhalten zusammenhängen. Besonders interessant ist jedoch eine kontrollierte Humanstudie aus dem Jahr 2024.
Die CBG-Studie der Washington State University
Im Juli 2024 veröffentlichten Carrie Cuttler und ihre Kollegen eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Crossover-Feldstudie. 34 gesunde Erwachsene mit Cannabiserfahrung nahmen an zwei über Zoom begleiteten Versuchssitzungen mit einer Woche Abstand teil. Dabei erhielten sie einmal 20 mg CBG und einmal Placebo.
Die Wissenschaftler untersuchten Angstempfinden, Stressempfinden, Stimmung, Gedächtnis und mögliche Beeinträchtigungen. Unter CBG verringerte sich die globale selbstberichtete Angst stärker als unter Placebo; auch das subjektive Stressempfinden war zu einem frühen Messzeitpunkt reduziert. In den verwendeten Tests fanden sich keine Hinweise auf einen typischen Rausch oder motorische beziehungsweise kognitive Beeinträchtigungen.
Die Grenzen sind entscheidend: Ein anderes Angstmaß, die STAI-Zustandsangst, verbesserte sich nicht signifikant. Die Ausgangsangst war niedrig, die Stichprobe klein und die Beobachtung kurzfristig. Ein Nutzen bei diagnostizierten Angststörungen, dauerhafter Anspannung oder länger bestehenden Schlafproblemen ist damit nicht nachgewiesen. Auch Fahrtüchtigkeit wurde dadurch nicht allgemein bewiesen. [6]
Was brachte eine weitere CBG-Studie aus 2026?
Im Jahr 2026 veröffentlichten Forscher eine Untersuchung mit zwölf gesunden Erwachsenen. Im Mittelpunkt standen Aufnahme, akute Wirkungen und kurzfristige Verträglichkeit von oralem CBG-Isolat. Untersucht wurden einzelne aufsteigende Mengen von 25 bis 200 mg; Placebo wurde zufällig in die Abfolge eingebaut.
Die Studie fand überwiegend geringe subjektive Wirkungen und keine substanzbezogenen unerwünschten Ereignisse. Einzelne Messwerte veränderten sich unterschiedlich: Bei 50 mg nahm das Gefühl von Nervosität ab, bei 100 mg wurde dagegen weniger Ruhe angegeben. Diese experimentellen Mengen sind keine Dosierungsempfehlung.
CBG wirkt deshalb keineswegs automatisch oder unter allen Bedingungen beruhigend. Zwölf Teilnehmer erlauben außerdem keine verlässlichen Aussagen über seltene Nebenwirkungen oder langfristige Sicherheit. [7]
Zwischenfazit: CBG ist wissenschaftlich interessant. Im Vergleich zu CBD gibt es allerdings noch deutlich weniger belastbare klinische Forschung.
4. THC – warum Cannabis entspannen, aber auch Unruhe auslösen kann
THC ist der hauptsächlich für die berauschende Wirkung von Cannabis verantwortliche Wirkstoff. Es beeinflusst das Endocannabinoid-System über Cannabinoid-Rezeptoren. Manche Menschen berichten nach THC-Konsum von Entspannung und einem Gefühl des Abschaltens. Andere erleben verstärkte Gedanken, Unsicherheit, Herzrasen, Unruhe oder Angst.
Eine Studie zeigt, wie unterschiedlich THC wirken kann
2017 untersuchten Forscher 42 gesunde Erwachsene während einer standardisierten Stressaufgabe. Die Teilnehmer erhielten doppelblind entweder Placebo, 7,5 mg oder 12,5 mg oral verabreichtes THC. Bei der niedrigeren untersuchten Menge berichteten Teilnehmer nach der Stressaufgabe über eine geringere subjektive Belastung. Bei der höheren Menge verschlechterte sich dagegen die Stimmung, und die bevorstehende Aufgabe erschien belastender.
Die Wirkung folgt also nicht dem Muster „mehr THC bedeutet mehr Entspannung“. Die experimentell untersuchten Mengen sind keine Dosierungsempfehlung; orale und inhalierte Anwendungen sind zudem nicht gleichzusetzen. [8]
Neue THC-Studie aus August 2026
Eine randomisierte, placebokontrollierte Laborstudie mit 120 regelmäßig Cannabis konsumierenden Erwachsenen untersuchte subjektive und körperliche Stressreaktionen nach vaporisiertem Cannabis. Die Versuchsbedingungen umfassten Placebo sowie Cannabis mit 20 oder 40 mg THC.
Das subjektive Stressempfinden ging auch in der Placebogruppe zurück. THC beeinflusste verschiedene körperliche Stressmarker unterschiedlich und erhöhte insbesondere in der höheren Bedingung die Herzfrequenz. Eine einheitliche Reduzierung der Stressreaktion ergab sich nicht. Die Autoren diskutieren deshalb auch Erwartungen als möglichen Einfluss auf das Entspannungserleben. Die Untersuchung erfasste kurzfristige Effekte und keine Behandlung einer Angststörung. [9]
Für Menschen mit ausgeprägter innerer Unruhe ist THC deshalb nicht automatisch die passende Wahl. Insbesondere bei Panikattacken, Psychosegefährdung oder anderen psychischen Erkrankungen ist eine ärztliche Einordnung wichtig.
5. Was ist mit einer Kombination aus CBD und CBG?
Unterschiedliche Cannabinoide beeinflussen nicht zwangsläufig dieselben biologischen Signalwege. Deshalb erscheint eine Kombination aus pharmakologischer Sicht untersuchenswert. Häufig wird dabei der Entourage-Effekt erwähnt: die Hypothese, dass mehrere Inhaltsstoffe von Cannabis sich gegenseitig beeinflussen oder verstärken.
Bisher ist aber nicht ausreichend nachgewiesen, dass CBD und CBG gemeinsam bei innerer Anspannung wirksamer sind als einzeln. Auch ein Vollspektrumextrakt ist nicht allein deshalb wissenschaftlich überlegen, weil er viele Cannabinoide enthält. [10]
6. Können andere Cannabinoide helfen?
CBN (Cannabinol) wird häufig im Zusammenhang mit Schlaf beworben. Eine 2026 veröffentlichte doppelblinde Crossover-Studie untersuchte 20 Erwachsene mit diagnostizierter Insomnie in einzelnen Nächten unter 30 mg CBN, 300 mg CBN oder Placebo. Der primäre Messwert, die Wachzeit nach dem Einschlafen, verbesserte sich nicht signifikant. Bei einzelnen weiteren Schlafmesswerten zeigten sich unter 300 mg positive Veränderungen. Daraus folgt kein Nachweis einer angstlösenden Wirkung. [11]
CBC (Cannabichromen) wird vor allem in der Grundlagenforschung untersucht. Für die Behandlung menschlicher Angstzustände liegen keine ausreichenden hochwertigen klinischen Daten vor. THCV (Tetrahydrocannabivarin) unterscheidet sich pharmakologisch von klassischem THC; auch hier fehlen überzeugende klinische Wirksamkeitsnachweise bei dauerhafter innerer Anspannung. Theoretische Wirkmechanismen reichen für eine Empfehlung als Entspannungsmittel nicht aus.
7. Was sagen die großen wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten?
Im März 2026 erschien online in The Lancet Psychiatry eine Metaanalyse mit 54 randomisierten kontrollierten Studien und 2.477 Teilnehmern über verschiedene psychische und substanzbezogene Erkrankungen hinweg. Diese Gesamtzahl bezeichnet nicht ausschließlich Studien zu Angststörungen. Für die angstbezogenen Ergebnisse fand die Arbeit keinen statistisch gesicherten Behandlungseffekt. Unerwünschte Wirkungen traten insgesamt häufiger auf als in den Kontrollgruppen; schwerwiegende Ereignisse waren nicht signifikant häufiger. Die Evidenz war vielfach niedrig. [12]
Eine zweite große Übersichtsarbeit, die im August 2026 online erschien, fand zwar eine durchschnittliche Verringerung von Angstsymptomen in randomisierten Studien, betonte aber sehr große Unterschiede zwischen den Untersuchungen und eine überwiegend sehr geringe Evidenzsicherheit. Viele Untersuchungen erfassten Angst lediglich als zusätzlichen Messwert bei anderen primären Erkrankungen.
Die Arbeiten widersprechen sich deshalb nicht zwangsläufig: Sie unterscheiden sich in der Auswahl der Studien und der Art der betrachteten Angstsymptome. Ein positiver Mittelwert aus sehr unterschiedlichen Untersuchungen beweist keine verlässliche Therapie einer diagnostizierten Angststörung. [13]
Gesamtbewertung: Es gibt Hinweise auf mögliche Wirkungen bestimmter Cannabinoide. Für die routinemäßige Behandlung von Angststörungen oder anhaltender innerer Anspannung reicht die Evidenz bisher nicht aus.
8. Sind CBD und CBG grundsätzlich unbedenklich?
Nicht berauschend bedeutet nicht automatisch nebenwirkungsfrei. Insbesondere CBD kann mit Arzneimitteln wechselwirken und unter anderem Schläfrigkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder Veränderungen der Leberwerte verursachen.
Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte 201 gesunde Erwachsene unter 5 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht täglich oder Placebo über 28 Tage. Bei 5,6 Prozent der CBD-Gruppe lagen Leberenzyme über dem Dreifachen der oberen Normgrenze; in der Placebogruppe trat dieser Befund nicht auf. Diese konkrete Exposition erlaubt keine pauschale Risikoprozentzahl für sämtliche CBD-Produkte oder Mengen. [14]
Die EFSA legte im Februar 2026 einen vorläufigen sicheren Aufnahmewert von 0,0275 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht täglich fest, also ungefähr 2 mg bei 70 kg. Dieser gilt ausschließlich unter eng beschriebenen Bedingungen für bestimmte Nahrungsergänzungsmittel mit mindestens 98 Prozent reinem CBD, ohne Nanopartikel und mit als sicher bewerteter Herstellung. Für Menschen unter 25 Jahren, Schwangere, Stillende und Personen unter Medikamenteneinnahme konnte die Sicherheit nicht festgestellt werden. Fortbestehende Datenlücken betreffen unter anderem Leber, Nerven-, Hormon- und Fortpflanzungssystem. Dieser Wert ist weder eine Wirksamkeitsdosis noch eine pauschale Produktzulassung. [15]
Auch für CBG fehlen ausreichend umfangreiche Langzeitstudien. Wissenschaftlich untersuchte Präparate dürfen nicht mit beliebigen handelsüblichen Produkten gleichgesetzt werden. Eine medizinische Studie liefert keine Verzehrempfehlung für CBD Öle, die ausschließlich zur äußeren Anwendung bestimmt sind.
Arbeit und Straßenverkehr: Aus „nicht berauschend“ folgt keine garantierte Fahrtüchtigkeit. Schläfrigkeit und Wechselwirkungen können sicherheitsrelevant sein; bei Beeinträchtigung sind Autofahren und Maschinenbedienung zu unterlassen. Die Fachinformation des CBD-Arzneimittels Epidyolex weist ausdrücklich auf Sedierung hin. Das ist eine Arzneimittelinformation und kein Beleg identischer Effekte jedes Verbraucherprodukts. [16]
9. Was bedeutet das konkret bei dauerhafter innerer Anspannung?
Es lohnt sich, verschiedene Beschwerden zu unterscheiden: Gedankliche Unruhe meint ständiges Grübeln, Sorgen und Schwierigkeiten, abzuschalten. Körperliche Anspannung kann sich durch Muskelverspannungen, Nervosität oder Herzklopfen äußern. Schlafprobleme umfassen Schwierigkeiten beim Einschlafen, häufiges Aufwachen und fehlende Erholung.
Diese Beschwerden können gemeinsam auftreten, müssen aber nicht dieselbe Ursache haben. Neben psychischer Belastung kommen Schlafmangel, Medikamentenwirkungen, hoher Koffeinkonsum oder körperliche Erkrankungen infrage. Wenn die Anspannung länger anhält oder den Alltag beeinträchtigt, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Für diagnostizierte Angststörungen gibt es besser untersuchte Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie. Cannabinoide sollten eine notwendige Untersuchung oder etablierte Behandlung nicht ersetzen. [17]
Für das Arztgespräch kann ein kurzes Protokoll helfen: Wann tritt die Anspannung auf, welche körperlichen und gedanklichen Symptome begleiten sie, wie ist der Schlaf, und welche Arzneimittel oder anderen Substanzen werden verwendet? Regelmäßige Erholungszeiten und die Beobachtung möglicher Auslöser sind auch ohne Produktkauf möglich.
10. Fazit – welche Cannabinoide sind besonders interessant?
Für Eileens Frage lassen sich die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse folgendermaßen zusammenfassen:
CBD ist unter den nicht berauschenden Cannabinoiden bislang am umfangreichsten im Zusammenhang mit Angst und Anspannung untersucht. Einige Studien zeigen positive Ergebnisse, größere Übersichtsarbeiten mahnen weiterhin zur Vorsicht.
CBG ist ein neuer Forschungsansatz. Erste kontrollierte Untersuchungen liefern Hinweise auf mögliche kurzfristige Veränderungen des Stress- und Angstempfindens. Ob daraus eine wirksame Behandlung entstehen kann, ist offen.
THC kann als entspannend erlebt werden, die innere Anspannung aber auch verstärken. Hinzu kommen Risiken durch seine berauschende Wirkung.
Eine Kombination aus CBD und CBG ist wissenschaftlich untersuchenswert; ihr therapeutischer Zusatznutzen ist nicht nachgewiesen.
Die Cannabispflanze enthält Stoffe mit unterschiedlichen pharmakologischen Eigenschaften. Ihre Erforschung bietet Möglichkeiten für zukünftige Behandlungen, aber noch keine einfache oder verlässlich wirksame Lösung gegen dauerhafte innere Anspannung.
Weiterführend auf CBDwelt: Cannabis bei Stress und Erschöpfung durch Arbeit. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf die wissenschaftliche Einordnung innerer Anspannung. [18]
Häufige Fragen
FAQs
Einzelne klinische Studien zeigen positive Hinweise. Insgesamt reichen die uneinheitlichen Daten nicht für eine verlässliche Standardbehandlung. Ergebnisse medizinisch untersuchter Präparate sind nicht pauschal auf Shopprodukte übertragbar.
Das ist nicht belegt. CBG wurde bislang deutlich weniger untersucht; kleine Kurzzeitstudien ersetzen keine belastbaren direkten Vergleiche.
Ja. THC kann unter anderem Unruhe, Angst und Herzrasen auslösen. Die Reaktion hängt von individuellen Faktoren, Menge und Anwendung ab.
Ein zusätzlicher therapeutischer Nutzen der Kombination bei innerer Anspannung ist bisher nicht ausreichend nachgewiesen. Der Entourage-Effekt ist keine Wirksamkeitsgarantie.
Nein. CBD kann Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen. Für CBG fehlen insbesondere umfangreiche Langzeitdaten. Nicht berauschend bedeutet auch keine garantierte Fahrtüchtigkeit.
Wenn Beschwerden anhalten, Schlaf oder Alltag beeinträchtigen oder neue ausgeprägte körperliche Symptome auftreten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Cannabinoide ersetzen keine Diagnose oder etablierte Behandlung.
Quellen und Einordnung
Die Quellenangaben in eckigen Klammern verweisen auf die separat aufgeführten Originalarbeiten und Behördeninformationen am Ende dieses Beitrags. Studienangaben wurden anhand der verfügbaren Originalpublikationen beziehungsweise PubMed-Abstracts geprüft; dies ist keine vollständige unabhängige Neubewertung sämtlicher Rohdaten. Bei nur abstractbasiert zugänglichen Arbeiten bleiben nicht berichtete Details offen. Die genannten experimentellen Mengen dienen ausschließlich der Einordnung und sind keine Anwendungsempfehlungen.
Autor: Tobias Markwort, Geschäftsführer der Endower GmbH, Betreiberin von CBDwelt. CBDwelt vertreibt Cannabisprodukte; es besteht ein kommerzieller Hintergrund. Dieser Beitrag stellt keine unabhängige medizinische Beratung dar.
Wissenschaftlicher Informationsstand: November 2026; Quellen geprüft am 1. November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder persönliche Therapieempfehlung. Die verlinkten Studien untersuchten teilweise experimentelle, medizinisch kontrollierte Anwendungen; ihre Ergebnisse sind nicht unmittelbar auf frei verkäufliche Cannabisprodukte übertragbar.
Studien, Behörden und weiterführende Informationen
- Loomba & Patel: Circuit mechanisms governing endocannabinoid modulation of affective behaviour and stress adaptation (2025)
- Bergamaschi et al.: Cannabidiol reduces the anxiety induced by simulated public speaking in treatment-naïve social phobia patients (2011)
- Han et al.: Therapeutic potential of cannabidiol in anxiety disorders – a systematic review and meta-analysis (2024)
- Gundugurti et al.: Evaluation of nanodispersible cannabidiol oral solution versus placebo in mild to moderate anxiety subjects (2024)
- Warren et al.: Evaluating the pharmacokinetics, efficacy and safety of low-dose cannabidiol (2026)
- Cuttler et al.: Acute effects of cannabigerol on anxiety, stress, and mood (2024)
- Wolinsky et al.: Safety, pharmacodynamics, and pharmacokinetics of oral cannabigerol in healthy adults (2026)
- Childs et al.: Dose-related effects of delta-9-THC on emotional responses to acute psychosocial stress (2017)
- Cuttler et al.: Multimodal examination of the acute effects of cannabis on subjective and physiological stress-related outcomes (2026)
- Simei et al.: Does the Entourage Effect in Cannabinoids Exist? A Narrative Scoping Review (2024)
- Cannabinol for Acute Treatment of Insomnia Disorder in a Randomized Placebo-Controlled Crossover Trial (2026)
- Wilson et al.: The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders (2026)
- Bharat et al.: Cannabis and cannabinoids for the treatment of mental and substance use disorders and symptoms (2026)
- Florian et al.: Cannabidiol and Liver Enzyme Level Elevations in Healthy Adults (2025)
- EFSA: Provisional safe level for cannabidiol as a novel food (9. Februar 2026)
- EMA: Epidyolex – Fachinformation
- IQWiG: Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung
- Cannabis bei Stress und Erschöpfung durch Arbeit
















